Samstag, 14. Mai 2022

Der Körper merkt sich alles – Trauma, Dissoziation und physische Erkrankungen
 

Vortrag 4

09.30 – 10.00 Uhr

Das MOSES-Therapiemodell zur Behandlung von früh traumatisierten Kindern: Veränderungen in den neuronalen Netzwerken und im Stress-Regulations-System nach stationärer Intensiv-Psychotherapie

Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch

Abstract: Die Behandlung von früh und schwer traumatisierten Kindern stellt für alle Behandler in der Jugendhilfe, der Psychiatrie und der Psychotherapie eine große Herausforderung dar. Diese Kinder können oft keine Regelschule besuchen und werden aus vielen Gruppen und Beziehungen „ausgeschlossen“. Nach jahrelanger Erfahrung haben wir für diese Kinder ein Intensiv-Psychotherapie-Modell der stationären Behandlung entwickelt, dass es ermöglicht, die oft vielfältigen Psychopharmaka der Kinder abzusetzen. Durch intensive neue Beziehungserfahrung im stationären bindungsorientierten Milieu und durch verschiedene trauma- und bindungsorientierte Behandlungen konnten bei diesen Kindern entscheidende Veränderungen erreicht werden. Diese betreffen sowohl das Verhalten, die Gruppenfähigkeit und die Stress-Regulation. Unsere Forschungsergebnisse zeigen beeindruckende messbare Veränderungen in den neuronalen Netzwerken der Kinder. Im Vortrag wird das MOSES-Therapiemodell sowie einzelne Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Kurzbiografie
 

Vortrag 5

10.00 – 10.30 Uhr

Verletzte Seele, verletzter Körper, verletzliche Sexualität – Sexuelle Traumafolgen

Dr. med. Melanie Büttner

Abstract: Wer (sexuelle) Gewalt erlitten hat, hat oft Jahre später noch mit den Folgen für die eigene Sexualität zu kämpfen. Wiedererleben, Dissoziation, Gefühllosigkeit und Schmerzen lassen Sex zu einer hochbelastenden Erfahrung werden. Weil sie Bedürfnisse und Grenzen kaum wahrnehmen oder äußern können, sind viele Betroffene schutzlos. Sie halten Sex aus, der ihnen nicht guttut oder erleiden immer wieder Übergriffe. Während manche Betroffene Sex deshalb lieber aus dem Weg gehen, wollen andere ihn unbedingt, weil sie sich menschliche Zuwendung erhoffen und Alleinsein nicht ertragen. Der Vortrag gibt einen Überblick über häufige Traumafolgen der Sexualität.

Kurzbiografie
 

Vortrag 6

11.00 – 11.30 Uhr

Trauma und körperliche Symptome: klinische Überlegungen aus der körperpsychotherapeutischen Praxis

Dr. Kathrin Stauffer

Abstract: Trauma kann als Störung der normalen Selbstregulation des menschlichen Organismus betrachtet werden, und in dieser Sicht als Extremfall von Stress. Die Selbstregulation des Organismus findet gleichzeitig auf der körperlichen Ebene und auch auf der psychologischen Ebene statt: sie ist verkörpert. Störungen dieser Selbstregulation können deshalb auf beiden Ebenen wahrgenommen und oft auch behandelt werden. In der Körperpsychotherapie versuchen wir beides gleichzeitig zu tun. Dabei verstehen wir sowohl "Somatisierung" wie auch "Psychologisierung" als Ausdruck einer Zersplitterung der Erfahrung, die durch die Überwältigung der normalen psychophysiologischen Prozesse zustande kommt.

Ich werde meinen theoretischen Hintergrund kurz darlegen und dann von konkreten Fallbeispielen erzählen, wo körperliche Symptome auf eine tiefe Traumatisierung des Organismus hingedeutet haben. Dabei werde ich besonderes Gewicht legen auf frühverwahrloste Klienten mit schwierigen Bindungsmustern.

Kurzbiografie
 


Workshop Session C … 14.30 – 16.00 Uhr
 

Workshop 11

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

Das MOSES-Therapiemodell zur Behandlung von früh traumatisierten Kindern: Veränderungen in den neuronalen Netzwerken und im Stress-Regulations-System nach stationärer Intensiv-Psychotherapie

Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch

Abstract: Der Workshop ist eine Vertiefung des Hauptvortrags vom Vormittag. Hier können vielen Fragen beantwortet werden.

Kurzbiografie
 

Workshop 12

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

Behandlung von sexuellen Traumafolgen

Dr. med. Melanie Büttner und Karin Paschinger

Abstract: Die Beschwerden, die traumatisierte Menschen in ihrer Sexualität erleben, sind vielfältig und komplex. Eine Behandlung, die Elemente aus Trauma-, Sexual-, Paar- und Körpertherapie verbindet, stärkt traumatisierte Menschen in ihrer sexuellen Selbstfürsorge und Selbstbestimmung, lindert Wiedererleben, Dissoziation und Schmerzen und lässt Betroffene ihren Körper wieder auf versöhnliche Weise spüren. Partner und Partnerinnen werden intensiv in den Therapieprozess einbezogen. Anhand eines Fallverlaufs gibt der Workshop einen Überblick über die zentralen Therapiethemen und vermittelt Know-how, wie man über Sexualität ins Gespräch kommen kann.

Kurzbiografien
 

Workshop 13 (Teil 2)

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

Traumaerfahrungen und Körpergedächtnis – mögliche Auswirkungen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten

Thorsten Becker, Julia Bialek, Heidrun Girrulat, Martin Kühn

Abstract: Die im Körper gespeicherten Erinnerungen an traumatische Lebenserfahrungen können im Alltag in vielschichtiger Weise aktiviert und aktualisiert werden. Sie werden von den betroffenen Menschen in so unterschiedlicher Art erlebt und und zum Ausdruck gebracht, dass es für Fachkräfte psychosozialer Arbeitsfelder oft eine große Herausforderung darstellt, sie als solche zu erkennen und spezifische Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten.

  • Im ersten Teil dieses Workshops sollen die Grundlagen des Körpergedächtnisses dargestellt und in Bezug auf traumaspezifische Dynamiken alltagsorientiert diskutiert werden.
  • Im zweiten Teil des Workshops werden anhand von Fallbeispielen pädagogische Handlungsmöglichkeiten und Methoden dargestellt, die in der Praxis psychosozialer Handlungsfelder zur verstehensorientierten Alltagsgestaltung genutzt werden können.

Beide Workshops bauen aufeinander auf, können aber auch unabhängig voneinander einzeln besucht werden.

Kurzbiografien
 

Workshop 14

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

"Eine gute Diagnostik ist die halbe Miete"

Franka Mehnert

Abstract: Fokussiert werden soll auf die diagnostischen Neuerungen im Bereich Dissoziation, welche sich mit DSM-5 und ICD-11 ergeben. Die Neuerungen sollen übersichtlich eingeführt und anhand von Fallbeispielen (aktuelle Pat. der KaW, alternativ über Videos) dargestellt werden: Man sieht nur das, was man kennt. Weiterhin sollen Messinstrumente (Selbstbeurteilungsbögen, klinische Interviews) vorgestellt und ihre klinische Relevanz aufgezeigt werden.

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Workshop 15

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

Vertrauen Spüren – Tai Chi, innere Kampfkunst für Menschen die Frieden suchen

Daniel Grolle

Abstract: Wir werden die ganze Zeit körperlich, aufrecht stehend und in Kontakt miteinander üben. Die Übungen sind ruhig, innig und interessant, sie sind herausfordernd aber nicht körperlich anstrengend. Jeder Teilnehmer hat die Freiheit den Grad seines Einlassens selbst zu regulieren. Die Prinzipien leiten sich aus der inneren Kampfkunst Tai Chi ab. Anstatt aber Überlegenheit über den anderen Übenden zu gewinnen, entwickeln wir spielerisch einen angenehmen Zugang zueinander. Wir werden sicher in der Grenzwahrnehmung und Grenzachtung des Anderen und des eigenen Körpers und Geistes. Die Teilnehmer erleben staunend wie deutlich sich unterscheiden lässt, was sie selbst im Wesen sind und was dagegen Vorstellungen oder Behauptungen über das eigene Selbst. Wir kommen dabei ohne Moral oder äußere Definitionen aus, sondern halten uns ausschließlich an das was sich bei feinem Hinspüren unter liebevoller Übungsanleitung selbst, körperlich und sicher erleben lässt.

Die Teilnehmer werden grundlegende Erfahrungen machen, die sie anschließend eigenständig für ihre Übungs- oder Lehrpraxis weiter nutzen können.

Kurzbiografie
 

Workshop 16

14.00 – 15.30 Uhr … Session C

Ressourcen-orientierte Körperpsychotherapie: eine Kostprobe

Dr. Kathrin Stauffer

Abstract: Der Einfluss der physiologischen Regulationsprozesse auf unseren Geisteszustand ist ebenso wahrnehmbar wie der Einfluss unseres Geisteszustandes auf unsere physiologischen Regulationsprozesse. Wir können im eigenen Körper mit diesen Wechselwirkungen experimentieren und versuchen zu erspüren, wie traumatische Erinnerungen in diese Wechselwirkungen hineinpassen.

Ich bin besonders daran interessiert, Interventionen aus der Körperpsychotherapie zu erkunden, welche helfen, schwierige Gefühle ertragbarer zu machen und uns die Ressourcen zu geben, um traumatische Erinnerungen und deren körperlichen Begleiterscheinungen besser bewältigen zu können. Ich werde deshalb einige solcher Interventionen vorstellen und Gelegenheit geben, dass die Teilnehmer sie ausprobieren können.

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