Referent*innen Freitag, 5. Mai 2023

Gewalt – Macht – Sinn
Trauma, Dissoziation und Spiritualität

 

Eröffnung

09.15 Uhr

Dr. med. Harald Schickedanz und
EFL-Kooperationspartner Andrea Stachon-Groth (Leiterin)

 

Einführungsvortrag

09.30 – 09.50 Uhr

Begegnungen im Grenzland von Überleben und Leben

Anne Willing-Kertelge

Abstract: Wer den Mit-Menschen in Form von Gewalt als Gegen-Menschen erlebt, erfährt sich als ohnmächtig ausgeliefert und leidet. In diesem Grenzland von Überleben und Leben werden wir früher oder später vor die Frage nach dem Sinn des Erlebten gestellt – als Betroffene und als Helfende. "Sinn" existiert nicht an sich. Wie können wir Sinnkonstruktionen verstehen und ggf. verändern? Können spirituelle Erfahrungen uns Wege weisen zu Überzeugungen, die unser Leben leichter, freundlicher und mitfühlender mit uns und anderen werden lassen? Wie können wir individuell, fachlich und auch gesellschaftlich sprachfähiger werden für alle Dimensionen menschlichen Lebens? Welche Rolle kann Spiritualität spielen, um unerträgliches Leid zu überwachsen? Meditations- und Achtsamkeitspraxis hat Eingang gefunden in die Begleitung von traumatisierten Menschen. Gleichzeitig wissen wir, dass genau diese Praxis Symptome des traumatischen Stresses verstärken kann. Deshalb sollte Traumasensitivität auch in der spirituellen Wegbegleitung eine Rolle spielen.

Der Einführungsvortrag ins Thema beleuchtet diese und weitere Aspekte aus professioneller und autobiografischer Sicht und plädiert für einen fächerübergreifenden, begegnungsfördernden Diskurs von Psychotherapie, Philosophie und Theologie.

Kurzbiografie
 

Vortrag 1

10.00 – 10.30 Uhr

Wie das Ungeheuerliche verstehen?

Michaela Huber

Abstract: Dissoziation verhindert Erkenntnis. Im Moment der höchsten Not schaltet unser Gehirn so um, dass wir unser Alltagsbewusstsein "retten " können vor dem, was dann an Unaushaltbarem geschieht. Gleichzeitig wird das Unaushaltbare in systematischen Fragmenten wie in Konservendosen getrennt vom normalerweise sofort einsetzenden Integrationsprozess aufbewahrt, wie beiseitegeschoben für Zeiten, in denen man zur Ruhe kommt. Dieses weggeschobene, dennoch aber gespeicherte Wahrnehmungs- und Gedächtnismaterial ist gleichzeitig leicht triggerbar, weil das Gehirn einen Kohärenzdruck hat und getrennt Gehaltenes eigentlich zu viel Energie kostet. Je länger die traumatogenen Ereignisse her sind, desto verwirrender können innere Erkenntnisprozesse sich anfühlen. Und vor allem: sie müssen verdaubar sein. Denn sie stellen das Alltagsbewusstsein vor große Herausforderungen, die eigene Biografie daraufhin zu überprüfen, ob das, was an dissoziiertem Material nach sinnhafter Einordnung drängt, tatsächlich Sinn macht. Besonders bei "Erinnerungen " an Gewalterfahrungen stellen sich viele Fragen: Ist das wirklich mir passiert? Wann und wo? Nur einmal oder öfter? Wann hat es angefangen und wann aufgehört? Weshalb wurde mir da angetan? Warum hat niemand geholfen? Wer hat davon gewusst? Wem kann ich noch vertrauen? Und auch die Therapeuten sind oft gefordert, in diesem Prozess Fragen zu beantworten: Glaube ich der KlientIn, dass das so stimmt, was sie jetzt zu erinnern glaubt? Passen ihre Symptome und ihre Schilderungen zueinander? Kann ein dissoziiertes Persönlichkeitssystem lernen, koordinierter zusammenzuwirken, um solche Fragen zu klären? Und vor allem: An der Symptomverbesserung lässt sich erkennen, ob die KlientIn eigene Wahrheiten gefunden hat – denn die Helfenden waren ja nicht dabei…

Wie besprechen wir das Thema, ob uns, ob der KlientIn "Sinn " macht, was sie da an Gewalterfahrung zu erinnern glaubt?

Kurzbiografie
 

Vortrag 2

10.30 – 11.00 Uhr

Spirituelle Gewalt

Sabeth Kemmler

Abstract: Was bedeutet es, spirituell selbstbestimmt zu sein? Wer ist spirituell handlungsfähig oder ist es nicht? Wie definieren sich spirituelle Not und spirituelle Gewalt/spiritueller Missbrauch?

Als Theologin und Philosophin arbeitet Doris Reisinger zu diesen Kernfragen auf der Grundlage eigener Missbrauchserfahrungen innerhalb eines katholischen Ordens und ihrer Kenntnis von Leidenswegen vieler Betroffener. Der Vortrag will ihre grundlegenden Gedanken aufgreifen und weiterführen. Wieso geraten Menschen aufgrund traumatischer Erfahrungen in spirituelle Not? Weisen traumatische Erfahrungen, die Menschen einander zufügen, generell Elemente spiritueller Gewalt und spirituellen Missbrauchs auf? Inwieweit kann es unsere Aufgabe in der Begleitung von Menschen mit schweren Belastungserfahrungen sein, diese in ihrer spirituellen Selbstbestimmung zu fördern?

Kurzbiografie
 

Vortrag 3

11.30 – 12.00 Uhr

Das gesprungene Herz – Schuld und Vergebung in ethischer Perspektive.

Dr. Ralf Schupp

Abstract: In der Therapie von Betroffenen sexueller und anderer Gewalt spielen Fragen nach Schuld und Verzeihung eine wichtige Rolle. Dabei geht es ebenso um die Schuld der Täter wie um die Schuldgefühle der Betroffenen und die Möglichkeit des Verzeihens. Der Vortrag geht davon aus, dass Schuld und Verzeihung zuerst ethische Begriffe sind, und versucht eine Annäherung an die Beziehungen zwischen Tätern, Betroffenen und ihrem Umfeld aus ethischer Perspektive. Schlüsselrollen kommen dem Konzept der Äquivalenz und dem Begriff des Wohlwollens zu.

Kurzbiografie
 


Workshop Session A … 14.30 – 16.00 Uhr
 

Workshop 1

14.30 – 16.00 Uhr und 
16.30 – 18.00 Uhr (3 Std.) … Session A+B

Ausstiegsbegleitung aus organisierter und ritueller Gewalt und Fragen nach Sinn

Dr. med. Harald Schickedanz, Dr. Susanne Nick

Abstract: Immer wieder begleiten Traumatherapeut:innen Menschen, die aus Kontexten organisierter und ritueller Gewalt aussteigen wollen. Diesen mitunter mühsamen und für alle Beteiligten herausfordernden Prozess betrachten die Referierenden aus wissenschaftlicher, therapeutischer und supervisorischer Perspektive.

Dabei möchten wir uns – entsprechend dem Tagungsthema – besonders mit oft entstehenden Sinnfragen befassen, die Betroffene und Fachpersonen auf unterschiedliche Weise beschäftigen können. Prinzipielle Erwägungen und Austausch werden ebenso Raum bekommen wie konkrete Fallbeispiele. Wir freuen uns über rege Beteiligung.

Kurzbiografien
 

Workshop 2

14.30 – 16.00 Uhr … Session A

Die Einhundert Kinder: Hilfreiches Material für die Arbeit mit Menschen, die eine Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) haben und organisierte ideologisch motivierte Gewalt erlebt haben.

Dr. phil. Fabian Wilmers

Abstract: In der Arbeit mit Betroffenen, die früh im Leben extreme Gewalt erfahren haben, ist es, zumindest manchmal, notwendig, "kindgerecht" zu kommunizieren. Gleichzeitig kann die Innenorganisation von Menschen nach jahrelanger systematischer Misshandlung ausgesprochen komplex sein. Die therapeutischen Geschichten, die in diesem Workshop vorgestellt werden, wurden genau hierfür geschrieben.

Bei kalkulierter dissoziationsinformierter Misshandlung, wie organisierter ideologisch moti­vierter Gewalt, manipulieren Täter*innen psychologisch die dissoziierten Persönlich­keits­anteile der Opfer. Dies tun sie durch Folter, Terror, Drohungen, Belohnung, Bestrafung, erzwungene (sexualisierte) Gewaltanwendung an anderen Opfern, Hypnose, Tricks, Illusionen, Täuschung, falsche Versprechungen, Drogen und mehr. Sie tun es, um lebenslange Kontrolle über die Gedanken und das Verhalten der Opfer zu erlangen. Ein grundlegendes Ziel der Psychotherapie ist es, den Opfern zu helfen, die eigene Entscheidungsfreiheit über eine solche "Gedankenkontroll­programmierung" zurückzugewinnen.

Die nachhaltigste Auflösung einer solchen Programmierung geschieht, wenn die Opfer sich der "Programmierung" ihrer dissoziierten Anteile bewusst werden. Mit diesem Bewusstsein können sie dann ihren Willen gegen die Anweisungen und Manipulationen ihrer Täter richten. Dies ist von größter Bedeutung für Opfer, die darauf programmiert wurden, den Kontakt zu ihren Tätern aufrechtzuerhalten und reviktimisiert zu werden.

Um den Überlebenden bei diesem Prozess zu helfen, schrieb die renommierte Expertin Ellen Lacter, Ph. D. (San Diego, USA), zusammen mit einer Betroffenen ("Sunlight") Geschichten mit Beispielen, die einige Grundprinzipien und Taktiken der "Programmierung" sowie einen kursorischen Aktionsplan für die Genesung veranschaulichen.

Im Workshop werden Erfahrungen des Referenten aus der Arbeit mit Betroffenen berichtet und Beispiele dieser therapeutischen Geschichten vorgestellt.

Einige der Geschichten können auch für die Arbeit mit Menschen, die an einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden, aber nicht organisierte ideologisch motivierte Gewalt erlebt haben, therapeutisch hilfreich sein.

Kurzbiografie
 

Workshop 3

14.30 – 16.00 Uhr … Session A

Wie verkraftet man das alles?

Michaela Huber

Abstract: Manchmal geht wie eine Falltür auf und plötzlich werden Zusammenhänge erkennbar, die so nicht vorher deutlich waren. Als Helfende versuchen wir, diesen Erkenntnisprozess oft eher einzubremsen, auf jeden Fall zu dosieren, so gut es geht. Doch nachdem es eine Weile zäh und mühsam in der Therapie oder Beratung voran ging, kommt die KlientIn plötzlich mit genauerem "Wissen", wie das noch unfertige Lebens-Puzzle der eigenen Vergangenheit gefüllt werden könnte: dass manche (auch) geliebte Menschen (auch) Täter waren; gelegentlich auch umgekehrt: dass die Mutter z.B. doch nicht wusste, was vor sich ging oder dass der Vater sie zwar emotional, aber nicht sexuell ausgebeutet hat…; dass es sehr viel mehr schlimme Erfahrungen gab als "nur einmal"; dass es nicht einen Täter gab, sondern mehrere; dass es viel länger gedauert hat, als man dachte; dass es früher angefangen hat, als man vermutete; etc. Und dann gerät die Persönlichkeit in eine Krise des Verstehens: Was bedeutet das eigentlich, wenn ich das jetzt als meine Wahrheit akzeptiere? Passt das widerspruchsfrei zu dem, was ich vorher erzählt habe, oder irre ich mich? Weshalb hat man mir das angetan? Und vor allem: Was mache ich jetzt daraus in meinem Leben? Fragen der Sinn-Suche unserer KlientInnen, denen wir in einem Workshop etwas näher nachgehen können.

Kurzbiografie
 

Workshop 4

14.30 – 16.00 Uhr … Session A

Traumasensibles Yoga – Quelle für Stabilität und Wachstum in einer verunsicherten Welt

Dr. Franziska Offermann

Abstract: Yoga kann die Verbindung von Körper, Geist und Seele fördern. Ziel des Yoga ist es, mehr Klarheit über die eigenen Sinne zu bekommen, mehr Bewusstsein für den eigenen Körper und uns selbst zu entwickeln und so mit stabilen Körper und Geist in Verbindung friedfertig und freier leben zu können.

Im traumasensiblen Yoga gibt es auch für Menschen, die unter den Folgen von Gewalt und Ohnmachtserleben leiden, Raum für die Erweiterung von Spürfähigkeit, Wahrnehmung, Stabilität und die Erkundung und Erweiterung der eigenen Grenzen. Ein Pendeln zwischen Anforderung und Lockerung ermöglicht neue Handlungsspielräume, nicht nur auf körperlicher Ebene. Es kann leichter werden, im Moment wertfrei da zu sein, das Wohlbefinden zu steigern, selbstbestimmt zu handeln, neue Sinnerfahrungen zu machen.

Sie sind eingeladen, im Workshop zu erfahren, wie es mit traumasensiblen Yoga möglich ist, mehr Stabilität, Affektregulation und Selbstwirksamkeit zu erreichen. Anhand der Polyvagaltheorie wird die Verbindung von Körper und seelischem Befinden dargestellt und erprobt, wie die spezifische Körperwahrnehmung gefördert, die Präsenz gesteigert und effektiv gehandelt werden kann. Im Rhythmuserleben des Körpers entsteht möglicherweise mehr Raum, die eigenen Grenzen weiter zu erkunden und zu erweitern, sodass mehr Lebendigkeit und Beziehung, nicht nur auf körperlicher Ebene entstehen kann. Die Aktivierung des ventralen Vagus fördert die Empfindung von Sicherheit, Wohlbefinden, Präsenz und Verortung im Hier und Jetzt.

Kurzbiografie
 

Workshop 5

14.30 – 16.00 Uhr … Session A

Spirituelle Ressourcen in der traumatherapeutischen Praxis

Sabeth Kemmler

Abstract: Wie können wir Menschen in ihrer spirituellen Autonomie fördern? Welche spirituellen Ressourcen sind heilsam, welche toxisch? Was für spirituelle Ressourcen gibt es überhaupt, und wie lassen sie sich in die Trauma-Arbeit einbringen? Gemeinsam werden wir diesen Fragen nachgehen.

Kurzbiografie
 

Workshop 6

14.30 – 16.00 Uhr … Session A

Wege ins Licht – Spiritualität als ergänzende Hilfe beim Ausstieg aus destruktiven Kulten.

Willi Lambert, Felicitas Lukas

Abstract: Felicitas Lukas (Pseudonym) wuchs im Umfeld organisierter ritueller Gewalt auf, einem Kult mit germano-faschistischer Ideologie, der jahrzehntelang ihr Leben prägte.

Auf ihrem langen, schwierigen Weg des Ausstiegs, wurden ihr (neben der notwendigen Psychotherapie) der Glaube und Spiritualität, im Zusammenhang mit guter geistlicher Begleitung durch einen katholischen Priester (Willi Lambert SJ), zu einer großen Hilfe. Vor allem auf der Ebene ihres angst-besetzten und kultisch verdrehten christlichen Glaubens, tief verankerter Konditionierungen (Kult-Glaubenssätze) sowie auf der Suche nach einer "Gegenideologie", wurde für Felicitas Lukas geistliche Begleitung unverzichtbar.

Im Workshop wollen Felicitas Lukas und Willi Lambert SJ über ihre gemeinsamen Erfahrungen berichten. Dabei soll es auch viel Gelegenheit geben, Fragen zu stellen und in einen gemeinsamen Austausch zu kommen!

Kurzbiografie
 


Workshop Session B … 16.30 – 18.00 Uhr
 

Workshop 1 – Fortsetzung

14.30 – 16.00 Uhr und 
16.30 – 18.00 Uhr (3 Std.) … Session A+B

Ausstiegsbegleitung aus organisierter und ritueller Gewalt und Fragen nach Sinn

Dr. med. Harald Schickedanz, Dr. Susanne Nick

Abstract: Immer wieder begleiten Traumatherapeut:innen Menschen, die aus Kontexten organisierter und ritueller Gewalt aussteigen wollen. Diesen mitunter mühsamen und für alle Beteiligten herausfordernden Prozess betrachten die Referierenden aus wissenschaftlicher, therapeutischer und supervisorischer Perspektive.

Dabei möchten wir uns – entsprechend dem Tagungsthema – besonders mit oft entstehenden Sinnfragen befassen, die Betroffene und Fachpersonen auf unterschiedliche Weise beschäftigen können. Prinzipielle Erwägungen und Austausch werden ebenso Raum bekommen wie konkrete Fallbeispiele. Wir freuen uns über rege Beteiligung.

Kurzbiografien
 

Workshop 7

16.30 – 18.00 Uhr … Session B

Ist alles verzeihbar?

Dr. Ralf Schupp

Abstract: Der Workshop konzentriert sich auf die besondere Frage der Versöhnung zwischen Betroffenen und Tätern. Diese Debatte wird spätestens seit der Schoah intensiv geführt. Sollten Betroffene von massiver sexueller oder anderer Gewalt den Tätern und anderen Beteiligten vergeben? Oder darf die Verzeihung auch verweigert werden? Besteht vielleicht sogar eine moralische Pflicht, bestimmte Handlungen NICHT zu verzeihen? Ausgehend von den beiden Polen der modernen philosophischen Debatte versucht der Workshop Anhaltspunkte für eine Antwort zu finden – die trotzdem jeder für sich selbst geben sollte.

Kurzbiografie
 

Workshop 8

16.30 – 18.00 Uhr … Session B

Psychohygiene und Selbstregulation mit Zapchen Somatics

Annamaria Ladik

Abstract: Zapchen Somatics ist ein körpernaher Ansatz, der auf den Erkenntnissen der Psychosomatik, Psycho- und Körpertherapien und der tibetischen Geistesschulungs- und Heiltradition ruht. Die von Dr. Julie Henderson (USA) und Dr. Anthony Richardson (AUS) entwickelte Methode lädt unseren Körper direkt ein, uns dem innewohnenden Wohlbefinden zu nähern. Und dies geschieht unabhängig von allen Lebensumständen, jetzt und sofort.

In diesem Seminar werden grundlegende Übungen aus dem Zapchen Somatics vermittelt. Wir arbeiten mit Bewegung, Atem und Stimme sowie wenn möglich, mit freundlicher Berührung. Die Übungen beeinflussen positiv die Selbst- und Affektregulation. Die Übungen sind sowohl für uns selbst als auch für unsere Patienten*innen wohltuend. Sie vermitteln Achtsamkeit, Wertschätzung, Freundlichkeit und Mitgefühl. Sie lehren auf eine leichte und humorvolle Art, wie wir unseren Körper und Geist zum Wohlbefinden einladen können. Viele der Übungen haben sich in der Stabilisierungsphase einer Trauma zentrierten Psychotherapie als wirksame Unterstützung von Selbstannahme, Affektregulation, als Stressreduktion und Dissoziationstop sowie zum Erleben von Selbstwirksamkeit bewährt.

Herzlich willkommen!

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Workshop 9

16.30 – 18.00 Uhr … Session B

Spiritualität und Sinnfrage in professionellen Begleitungen von Menschen mit Gewalterfahrungen

Anne Willing-Kertelge

Abstract: Menschen, die Gewalt erlebt haben, fragen früher oder später nach dem "warum" und/oder "wozu" dieser Erfahrungen. Sie versuchen, ihr Leben insgesamt zu begreifen und in einen persönlichen oder transzendenten Sinnzusammenhang einzuordnen. Spiritualität ist aber auch unabhängig von Gewalterfahrungen eine wichtige menschliche Dimension.

Was genau meinen wir, wenn wir von Spiritualität sprechen – auch im Unterschied zu Religion? Welche Erfahrungsweisen von Spiritualität können beschrieben werden? Wie hängen Spiritualität und Sinnfrage zusammen? Spiritualität als Ressource oder Flucht, als Raum tiefer Verletzungen oder Quelle für ein gutes Leben, als vertraute Daseinsweise oder völlig unbekanntes Land – der individuelle Bezug zur Spiritualität kann sehr unterschiedlich sein. Wie können wir als Professionelle Menschen mit Gewalterfahrungen so begleiten, dass wir auch für die spirituelle Dimension sowie die Sinnfrage sprachfähig werden und bleiben? Welche eigene Haltung ist zentral? Woran lässt sich Machtmissbrauch im Bereich der Spiritualität erkennen und wie einordnen?

Zu diesen und ähnlichen Fragen bietet der Workshop Impulse und Gelegenheit zum gemeinsamen, fächerübergreifenden Weiterdenken im Gespräch.

Kurzbiografie
 

Workshop 10

16.30 – 18.00 Uhr … Session B

Der blinde Fleck – Kindesmissbrauch in Organisierten rituellen Gewaltstrukturen

Liz Wieskerstrauch

Abstract: Die Dokumentarfilmautorin Liz Wieskerstrauch hat bereits vor 20 Jahren Filme über multiple Persönlichkeiten aufgrund von Organisierter ritueller Gewalt gedreht. Immer wieder greift sie dieses Thema neu auf. In ihrem Roman "Lucys Diamonds" und in ihren Filmen. Um die Menschen aufzurütteln, endlich hinzuschauen. Und um die Justiz anzustoßen, endlich umfangreich zu ermitteln. Denn so lange die Gesellschaft wegschaut, schützt dies die Täter, die unbehelligt weiter Kinder malträtieren können. Mit Filmvorführung der Doku "Die Seele brennt – Annäherung an eine multiple Persönlichkeit".

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